Ausnahmsweise ging es an diesem Tag erst um 10 Uhr los. Frühstück gab es allerdings nur bis 9, also mit ausschlafen wurde nicht wirklich was. Dafür waren wir allerdings auch nicht da. Uns wurde empfohlen alles anzuziehen, was wir an Kleider mitgebracht hatten, denn wir würden wieder viel Zeit draussen verbringen.

Nach ca. 30 Minuten Fahrt kamen wir auf einer der grössten Rentierfarmen in ganz Lappland an. Sie gehört einer samischen Familie, die schon seit der Zeit als Nomaden als Rentierhalter tätig war. Damals dienten die Rentiere hauptsächlich als Transportmittel. Das Fleisch, das Fell und der ganze Rest waren mehr ein Bonus dazu, der das Leben natürlich um einiges leichter machte. Ansonsten waren die Sami lange Zeit Jäger, Fischer und Sammler.

Rentiere sind eine der wenigen Tierarten, bei denen Männchen und Weibchen Hörner tragen. Bei den Männchen sind sie etwas grösser und sie werfen ihr Geweih zu unterschiedlichen Jahreszeiten ab. Unkastrierte Männchen verlieren ihr Geweih im Herbst nach Ende der Paarungszeit. Kastrierte behalten ihren Kopfschmuck oft etwas länger bis Anfang Winter und die Weibchen werfen es erst sehr viel später im Frühling ab. Typischerweise einen Monat nach dem kalben, damit sie ihre Neugeborenen während den ersten 4 Wochen besser verteidigen können. Wer jetzt aufgepasst hat, weiss, dass alle obigen Rentiere Weibchen sind, denn sie haben noch immer alle Hörner.

Zu den Männchen durften wir nicht mit rein. Obwohl die meisten ihr Geweih abgeworfen haben, sind sie doch etwas grösser als ihre weiblichen Artgenossen. Die meisten Rentiere werden im Sommer freigelassen und erst im späten Herbst zum zählen und impfen zusammengetrieben. Einige werden dann kurze Zeit später wieder entlassen, doch ein Teil bleibt auf der Winterweide und werden dort gefüttert. Diese Männchen auf dem Foto bleiben das ganze Jahr über bei den Sami. Sie sind alle pensionierte Transportrentiere, die früher Touristen auf Schlitten durch die Gegend gezogen haben. Vor einigen Jahren beschloss dann der Besitzer, dass er seine Rentiere nicht mehr dazu benutzen will und seitdem leben sie glücklich in ihrer Herde. Sie haben alle Namen und gehören zur Familie. Diese Rentiere werden auch nie zu Fleisch verarbeitet werden.

Zum Aufwärmen gab es in einer traditionellen Tipi artigen Hütte heissen Tee und selbstgebackene Kekse. Die Tassen sind aus einem speziellen Stück Holz geschnitzt. Wenn ein Baum zum Beispiel von einem Blitz getroffen wird oder eine andere Verletzung durch die Elemente erlitt, wächst an dieser Stelle eine Art Narbe. Der Klumpen braucht um die 30 Jahre, um die richtige Grösse für eine einzige Tasse zu erreichen. Vor einigen Jahren versuchten die Sami den Bäumen absichtlich Schaden zuzufügen, damit mehr solcher Baumnarben wachsen würden. Bei 2 von 50 Bäumen hat es funktioniert. Das Projekt wurde schnell aufgegeben und bis heute müssen Leute sich auf die Suche nach natürlich gewachsenen Narben machen, um ihre Tasse herzustellen. Der Aufwand lohnt sich allerdings, denn auch nach über 50 Jahren täglichen Gebrauch bleibt das Gefäss ohne wirkliche Spuren. Natürlich wird das Holz glattpoliert und glänzt mit der Zeit, aber das ändert nichts an der Qualität. So eine Tasse gehört wie der Magnesiumstab und das Messer an jeden Gürtel der Sami.

Und was wäre eine touristische Rentierfarm ohne Souvenirshop? Natürlich gab es handgefertigte Schmuckstücke, Messer, Tassen und was man halt so brauch zu kaufen. Die Decke hat mich dabei besonders fasziniert. Sie war voller Fotos und Postkarten aus aller Welt.

Man kann die fertigen Produkte kaufen…

…Oder wem das zu teuer ist hat hier eine Anleitung, um es selber zu versuchen.

Hier die Bedeutungen zu den Motiven auf Halsketten, Schlüsselanhängern und Magneten

Und wer noch etwas lernen will, der hat hier die häufigsten Tierspuren in der Gegend und zu wem sie gehören.

Uns war wieder warm und draussen wartete das Lasso Training auf uns. Es war zwar kein richtiges Rentier, sondern nur ein Holzpflock mit Geweih, aber ich war trotzdem stolz, als ich nach dem gefühlt 10ten Versuch endlich getroffen hatte.

Nach meinem Erfolg mussten wir uns leider schon wieder von den Rentieren verabschieden und uns auf den Weg zurück nach Vasatokka machen. Dort gab es Essen und am Nachmittag versammelten wir uns ein weiteres Mal in der Turnhalle zum Volleyballspielen.

Als es anfing dunkel zu werden, streiften wir alle wieder die Skihosen über und montierten die ausgeliehenen Schneeschuhe. Mit GPS und Stirnlampe suchten wir nach versteckten Gegenständen im Wald, die wir später zum Feuer machen brauchten. Das ganze war auch ein Wettkampf, denn wir wurden in zwei Gruppen unterteilt. Wer am schnellsten alle Gegenstände zum Lagerplatz gebracht hat, hat gewonnen. Auf dem kleinen zugefrorenen See trafen wir aufeinander, da sich unsere Wege dort kreuzten. Wir liessen uns die Gelegenheit für eine Schneeballschlacht nicht entgehen und danach hatten die Leiter noch eine Idee für ein Spiel. Unsere zwei Gruppen stellten sich in zwei Reihen gegenüber auf. Jeder hatte jeweils einen Gegner des anderen Teams vis a vis mit ca. 10 Metern dazwischen. Ein Leiter stellte sich in die Mitte mit einer Karotte in der Hand. Beide Teams wurden durchnummeriert, sodass jeweils die gegenüberliegende Personen die gleiche Nummer haben. Dann ging es los. Der Leiter rief eine Zahl und einer von jedem Team stürzte sich auf die Möhre. Alles natürlich mit den Schneeschuhen, was das Rennen deutlich erschwerte. Es gab beeindruckende Kampfmanöver und jemand brach die Karotte entzwei. Danach wurde es noch schwieriger, weil das Ziel im dunkeln fast nicht zu erkennen war. Das Team der Person, die die Möhre zu fassen bekam und zurück auf seine Seite bringen konnte, bekam einen Punkt. Ich verlor leider mein Battle, doch schlussendlich gewannen wir trotzdem. Es war auch ziemlich unfair, denn der Leiter hielt die Möhre so hoch, dass ich springen musste, um überhaupt ranzukommen. Mein Gegner war einer der Grössten, also konnte er nur die Hand ausstrecken. Ich brachte ihn zu Fall und er verlor dabei einen Schneeschuh, doch es brachte leider alles nichts. Spass hat es trotzdem gemacht.

Nach der Suche nach weiteren 2 Gegenständen versammelten wir uns dann alle am Lagerplatz. (Wir waren zuerst da!) Zum Glück bekamen wir schnell ein Feuer hin, das hatten wir ja am zweiten Tag genug geübt. Wir grillten Marshmallows und wärmten uns auf, bis wir durch die Bäume etwas grünes schimmern sahen…

…Nordlichter, schon zum dritten Mal! So ging ein weiterer unvergesslicher Tag zu Ende.

So unwahrschiinli wunderschöni Erläbnis 💙 💙 💙
Ich lieb Dini Erzählige 🤗 😘